Baixa und Chiado: der vollständige Viertelguide
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Wie lange braucht man, um Baixa und Chiado richtig zu erkunden?
Zwei bis drei Stunden decken Baixa gut ab: Praça do Comércio, Rua Augusta, den Bogen und den Santa-Justa-Fahrstuhl. Weitere Stunde für Chiado (A Brasileira, Livraria Bertrand, Praça do Camões, Aussichtspunkt São Pedro de Alcântara). Halber Tag insgesamt mit einem längeren Mittagessen.
Baixa — wörtlich “Unterstadt” — ist Lissabons flaches Handelsgitter, nach dem radikalen Stadtplan von 1755 wieder aufgebaut nach dem das Erdbeben die mittelalterliche Stadt zerstörte. Die Ingenieure des Marquês de Pombal errichteten ein rationelles Schachbrettmuster von Straßen, jede nach dem darin ansässigen Gewerbe benannt: Rua dos Sapateiros (Schuhmacher), Rua do Ouro (Goldschmiede), Rua da Prata (Silberschmiede). Die meisten Handwerker sind verschwunden, aber die Architektur ist außergewöhnlich.
Chiado, unmittelbar bergauf, war das literarische und intellektuelle Quartier des 19. und 20. Jahrhunderts. Fernando Pessoa schrieb hier; sein Lieblingslokal serviert noch heute Kaffee. Heute verbindet es echte Buchläden, gute Restaurants, unabhängige Boutiquen und einen theatralisch schönen Hauptplatz.
Anreise
Métro: Station Baixa-Chiado (Linha Azul/Verde-Kreuzung) bringt direkt unter die Grenze der beiden Viertel. Die Station selbst ist sehenswert — von Álvaro Siza Vieira gestaltet.
Ab Alfama: Westlich die Rua da Conceição entlanglaufen (flach, 10 Minuten) ab dem Sé-Bereich, oder Tram 28 bergab.
Ab Bairro Alto: Bergab die Rua do Carmo oder Elevador da Glória (Standseilbahn, €3,80 einfach).
Ab der Uferpromenade (Cais do Sodré): 8 Minuten östlich die Rua do Arsenal entlang, oder Taxi für €4.
Praça do Comércio
Am Flussufer beginnen. Praça do Comércio (auch Terreiro do Paço genannt) ist der grandioseste Platz der Stadt — ein dreiseitiges Arkadenviereck in Ockergelb öffnet zum Tejo, mit dem Triumphbogen der Rua Augusta, der die Nordseite schließt. Die Reiterskulptur in der Mitte stellt Dom José I. dar, Pombalines König. Der 1755er Tsunami vernichtete den ursprünglichen Königsanlande-Platz; was man sieht, ist der Wiederaufbau der 1770er.
Was hier tun:
- Am Fluss stehen und nach Süden schauen: keine Brücke verdeckt die Aussicht, nur der Tejo, der sich in Richtung Almada erweitert.
- Durch die Ostarkaden zum Lissabon Story Centre gehen (unterhaltsame 45-minütige Multimedia-Stadtgeschichte, €7).
- Der Rua-Augusta-Bogen ist für €3 besteigbar — das Panorama von oben über das Baixa-Gitter ist ausgezeichnet.
Ehrlicher Tipp: Der Platz selbst ist kostenlos und 20 Minuten wert. Die Cafés in den Arkaden verlangen Touristenpreise (€3,50 Espresso). 200 Meter ins Baixa-Innere laufen für normale Preise.
Rua Augusta: die Hauptfußgängerzone
Rua Augusta verläuft nördlich vom Bogen bis zum Rossio. Sie ist Lissabons Las-Ramblas-Antwort: vollständig fußgängerzoniert, mit Mosaikpflaster im klassischen portugiesischen Wellenmuster, Straßenkünstlern, Souvenirläden und mittelklassigen Restaurants.
In der Rua Augusta nicht essen — die meisten Restaurants verlangen €18-28 für Gerichte, die zwei Straßen weiter €10-14 kosten würden, und nutzen automatisch Brot und Oliven auf dem Tisch (€2-3 pro Person, kann abgelehnt werden). Den Restaurant-Couvert-Betrug-Guide lesen.
Die Rua Augusta ablaufen für die Architektur: die einheitlichen Pombalinischen Fassaden sind als Ensemble beeindruckend.
Santa-Justa-Fahrstuhl
Der Elevador de Santa Justa (1902, entworfen von Raoul Mesnier du Ponsard, einem Schüler von Gustave Eiffel) ist die vertikale Verbindung zwischen flacher Baixa und dem erhöhten Chiado. Neugotisches Eisenwerk, zwei holzgetäfelte Fahrgastkabinen, Aussichtsterrasse oben.
Kosten: €5,50 einfach, €8,50 Rückfahrt (in 24h-Viva-Viagem-Karte für €6,80 enthalten). Die Lisboa Card deckt ihn ebenfalls ab.
Warteschlangen-Realität: An Samstagen und Sonntagen im Sommer dauert die Warteschlange für den Fahrstuhl 40-60 Minuten. Die Terrasse oben ist angenehm unüberfüllt, aber das Warten ist schwer zu rechtfertigen, wenn die Alternative ein 5-minütiger Spaziergang die Rua do Carmo hinauf ist.
Ehrliche Einschätzung: Nutzen, wenn keine Warteschlange (frühe Werktage) oder mit Lisboa Card. Nicht eine Stunde für einen 32-Meter-Fahrstuhl warten.
Rossio und Praça da Figueira
Am Nordende der Rua Augusta hat Rossio (offiziell Praça Dom Pedro IV) seit 500 Jahren Lissabons Hauptplatz gewesen. Das wellenförmige Schwarz-Weiß-Mosaik-Pflaster ist berühmt. Die zwei verzierten Brunnen sind Pariser Gusseisen aus dem 19. Jahrhundert.
Café Nicola in der westlichen Arkade ist das älteste Café des Platzes, seit 1779 geöffnet. Kaffee €2-2,50 drinnen.
Der Bahnhof Rossio (Nordseite) ist einen Blick wert: neomanuelinische Fassade mit Hufeisenbogen. Züge nach Sintra fahren von hier ab (40 Minuten, €2,40 einfach, Viva-Viagem-Karte nutzen).
Chiado: von den Rolltreppen zum Praça do Camões
Karmeliterkloster und Archäologisches Museum
Das Convento do Carmo wurde beim Erdbeben 1755 zerstört — nur die gotische Hülle bleibt, dachlos und atmosphärisch. Das Kirchenschiff beherbergt jetzt ein kleines archäologisches Museum. €5 Eintritt. 45 Minuten wert.
Rua do Carmo und Rua Garrett
Chiaodos Haupteinkaufsstraßen — portugiesische Keramik, Lederwaren, unabhängige Mode und die ausgezeichnete Livraria Bertrand (Rua Garrett 73), laut Guinness-Buch als älteste ununterbrochen tätige Buchhandlung der Welt aufgeführt (gegründet 1732).
A Brasileira
Rua Garrett 120. Das legendäre Café, wo Fernando Pessoa schrieb, diskutierte und Bica trank. Die Bronzestatue von Pessoa draußen ist einer der meistfotografierten Spots in Lissabon. Kaffee (€1,60-2 drinnen, €4,50 an Terrassentischen) ist gut; die Schlange für den Terrassenplatz neben der Statue kann 15 Minuten dauern. Drinnen hingehen — schneller und das Mahagoni-Interieur ist das Echte.
Öffnungszeiten: Täglich 8-2 Uhr.
Praça do Camões
Der kleine Platz, dem Dichter Luís de Camões gewidmet, an der Kreuzung Rua do Alecrim/Rua Garrett. Ruhiger als Rossio; gut für eine Kaffeepause.
Von Chiado nach Bairro Alto
Die inoffizielle Grenze liegt grob an der Rua do Diário de Notícias. Der Miradouro de São Pedro de Alcântara liegt 10 Minuten Fußweg nördlich von A Brasileira — eine erhöhte Gartentetrasse mit Kachel-Panoramakarte. Kostenlos, immer geöffnet, viel weniger überfüllt als Portas do Sol.
Chiado- und Bairro-Alto-Stadtführung mit einem lokalen GuideEssen und Trinken
Kaffee: A Brasileira (historisch, Aufpreis der Terrasse wert), oder jede Padaria in den Seitenstraßen von Baixa für €1-1,20.
Mittagessen:
- Solar dos Presuntos (Rua das Portas de Santo Antão 150): altmodische portugiesische Küche, luftgetrockneter Schinken an der Decke, großzügige Portionen. €20-30/Person.
- Taberna da Rua das Flores (Rua das Flores 103, Chiado): Petiscos, handgeschriebenes Menü, ausgezeichnet. Ca. €20-25/Person.
Time Out Market: 10 Gehminuten von Praça do Comércio. Lissabons Foodhalle — 35 Anbieter, Michelin-Stern-Konzepte zu Marktpreisen. Den Time-Out-Market-Guide vorher lesen.
Meiden: Restaurants mit versprachlichter Menükarte in der Rua Augusta. Einen Block quer zur Rua Augusta gehen und die Preise fallen deutlich.
Praktische Tipps
Lisboa Card: Die 24-Stunden-Karte (€22) enthält den Santa-Justa-Fahrstuhl, den Rua-Augusta-Bogen, Metro/Busse/Trams und mehrere Museen. Den Lisboa-Karten-Rechner nutzen.
Menschenmassen: Praça do Comércio und Rua Augusta zwischen 10 und 18 Uhr. Baixa ist abends angenehm.
Kombination mit anderen Vierteln:
- Morgens: Praça do Comércio + Rua-Augusta-Bogen (9-10 Uhr, vor den Massen)
- Vormittags: Santa-Justa-Fahrstuhl + Chiado (10-13 Uhr)
- Mittagessen: Taberna da Rua das Flores oder Time Out Market
- Nachmittag: Östlich nach Alfama laufen, oder Tram 15E nach Belém
- Abend: Bairro Alto für Getränke, oder Fado in Alfama